Augsburger Allgemeine, 8. Dezember 2005
Wenn es in den Beinen juckt
"Swing tanzen verboten" begeisterte im abraxas

Es spricht Bände, wenn ein animiertes Publikum nach drei Stunden Swing vom Feinsten samt dreier zugaben immer noch keinerlei Anstalten macht, die Sitzreihen zu leeren: So geschehen im abraxas, im ehemaligen Offizierskasino und damit am trefflichsten Spielort.

Dort ließen Drummer Walter Bittner, Bassist Uli Fiedler, Gitarrist Josef Holzhauser und der jüngst mit dem Kunstförderpreis ausgezeichnete Pianist Daniel Mark Eberhard mit den drei stimmstarken Sängerinnen Ute Legner, Andrea Rother und Barbara Frühwald eine ungebrochen mitreißende Ära aufleben.

Ob die drei in rote Chiffonkleider gehüllten Sängerinnen künftig in Anlehnung an die Andrew-Sisters als "Augsburg Sisters" firmieren, mag dahingestellt bleiben. Feststeht, dass sie sich - und die abwechslungsreich zusammengestellten Jazz-Titel, die in der NS-Zeit als "entartet" von der Bildfläche verschwinden mussten - brilliant verkauften: mit süffisant-vokalem Charme, lasziver Klängfärbung und stets stilsicher. Ob transparent im Trio ("Joseph! Joseph" von 1938, das später mit einem schrägen deutschen Text von Hans Carste eingespielt wurde), solistisch wie in der wunderbaren "Saga of Jenny", womit Kurt Weill Eingang ins "Great American Songbook" fand, geschickt gekoppelt wie im Schlager-Medley oder im anzüglichen "Makin’ Whoopee" - jedes Stück machten sie zur swingenden Zugnummer.

Exquisit setzten die vier Musiker das Ganze instrumental in Szene, punkteten mit pfiffigen Solo-Akzenten, Akkordeon- oder Sax-Einlagen und begeisterten mit virtuosen Improvisationen. Immer wieder warteten sie in den Arrangements durch subtil eingeflochtene "moderne" Einsprengsel mit subtilen Überraschungsmomenten auf.

[...] Während im braunen Deutschland das Swingtanzen von 1937 an offiziell verboten war, animierte dieser beschwingte Abend unter eben jenem "Motto" fraglos jeden, sich noch intensiver den populär gewordenen Evergreens dieser Epoche zu widmen.

Renate Baumiller-Guggenberger