Augsburger Allgemeine, 23.10.2006
Der Untergrund tanzt
Jochen Heckmanns Ballettabend "Swing Alive"
in Augsburg

Sie ding gedämpft schummrig an, doch dann kam sie recht gewaltig: Die deutsche Swing-Szene zur Nazi-Zeit. Zumindest in Jochen Heckmanns neuem Ballettabend in Augsburg. "Swing Alive!" Huldigt der legendären Tanz- und Musikära mit einer flotten Revue in der Komödie.
Es war vor allem aber auch ein Abend vitaler, hinreißender Live-Musik.

[...] Und vor allem auch: Die abgefeimten Tricks der deutschen Arrangeure und Swing-Partisanen kamen zur "Sprache", nämlich ihre oft subversiv eingedeutschten Versionen, auf die man im Bedarfsfalle einer jähen Razzia schnell umschalten konnte. Doch auch Perlen der deutschen "unvölkischen" Kultur - Holländers Marlene-Hit "Ich bin von Kopf bis Fuß", Michael Jary, Comedian Harmonists - kolorierten diese Zeitalter.

[...] Der pulsierende, bluesige, swingende Musikstrom steigerte sich weiter zum temperamentvollen Tanzfest, von "Joseph, Joseph" (deutsch "Sie will nicht Blumen und nicht Schokolade"), über "Caravan" bis zum finalen "Sing, Sing, Sing". [...] Doch vor allem auch das musikalische Live-Erlebnis das am Schluss jubelnde Publikum. Die stimmlich-jazzig großartigen Vokalistinnen - Barbara Frühwald, Ute Legner, Andrea Rother im Look der Andrew Sisters - sowie der Augsburger Kunstförderpreis-träger Daniel Mark Eberhard (Piano, Akkordeon), Gitarrist und Trompeter Josef Holzhauser, Bassist Uli Fiedler und Walter Bittner (Schlagzeug) sorgten mit ihren Arrangements für eine tolle Präsenz des Swings.