Mittelbayerische Zeitung, 19. Juli 2007
Jazz und Aufklärung

Beste Unterhaltung mit „Swing Tanzen Verboten“

REGENSBURG. „Bei mir bist du scheen“, ein Schlager geschrieben 1937 für ein jüdisches Theater in New York, mit dem einst die Andrew Sisters einen Welthit hatten. Beim Jazz-Weekend konnte man es kurz hintereinander in zwei völlig unterschiedlichen Versionen hören. Als Instrumentalstück, wie es von Benny Goodman während des Krieges gespielt und populär gemacht wurde, vom Clemens Wittel Hot Jazz Trio im Haus Heuport. Und in einer rasant swingenden Version, den Andrew Sisters nachempfunden, von „Swing Tanzen Verboten“.
Das Augsburger Septett, dessen apodiktischer Bandname – vom nationalsozialistischen Spielverbot für „Negermusik“ abgeleitet – eigentlich auf das Gegenteil verweist, mitzutanzen nämlich, verbindet Musik machen mit Aufklärung. Zumindest ein bisschen Aufklärung, wenn beim Anmoderieren der nostalgisch-schwungvollen Songs auf die Geschichte des Jazz in Deutschland (unter den Nazis) eingegangen wird. Viele der fast allen Anwesenden auf dem vollgestopften Kohlenmarkt bekannten Jazzschlager und Swingmelodien, von „ Stop! It’s wonderful“, „I can‘t give you anything but love“ bis „Joseph! Joseph!“, werden von den drei flotten Sängerinnen in Deutsch und Englisch gesungen. Da fliegen den mit Gretelfrisur und Zöpfen bekränzten Augsburgerinnen Barbara Frühwald, Ute Legner – sie pfeift sogar wie die große Ilse Werner – und Andrea Rother in ihren weiten Petticoat-Kleidern die Herzen nicht nur hingerissener Männer zu.

Michael Scheiner, MZ